kulturregion südwestfalen

Gruppen/ Institutionen

Bahnhof Plettenberg-Eiringhausen

Brauchtum / Heimatkultur

Bahnhofstraße 1
58840 Plettenberg

E-Mail: c.rautenberg@plettenberg.de
URL: www.plettenberg.de

Im Zuge der Erbauung der Ruhr-Sieg-Strecke Hagen – Siegen durch die Bergisch-Märkische Eisenbahn waren zwischen Hagen und Siegen 13 Bahnhöfe und Haltestellen angelegt worden. Hiervon waren die Bahnhöfe Letmathe, Altena, Plettenberg, Finnentrop, Grevenbrück und Kreuztal Bahnhöfe 1. Klasse, da sie an der Mündung wichtiger Seitentäler bzw. im Schnittpunkt stark befahrener Straßen lagen und ein entsprechendes Verkehrsaufkommen erwarten ließen.

Gestalterisch eine Besonderheit waren bzw. sind die 1861, im Tudor-Stil errichteten Bahnhöfe Plettenberg, Grevenbrück und Kreuztal. Die Gebäude aus Quader-mauerwerk mit Werksteinfassungen hatten nahezu identische Grundrisse und Ansichten. Sie weisen ein zweigeschossiges, giebelständiges Hauptgebäude mit einem Uhrentürmchen auf und einen eingeschossigen, traufenständigen Seitenflügel.
Nach der Verstaatlichung der Privatbahnen in den 1880er Jahren war das Plettenberger Empfangsgebäude zur Zeit der Königlich Preussischen Staatsbahn um 1904 durch einen zweiten, spiegelbildlichen Seitenflügel zu einer symetrischen Anlage erweitert worden.

Im Rahmen einer Modernisierung in den 1960er Jahren wurde die Uhr am Uhrentürmchen entfernt und das Gebäude erhielt einen seitlichen Anbau und ein durchgehendes Betonvordach über die gesamte Frontseite zum Bahnhofsvorplatz hin, der das Erscheinungsbild des Gebäudes nachhaltig beeinträchtigte.
Nach der Nutzungsaufgabe durch die Deutsche Bahn erwarb die Stadt Plettenberg den Bau und ließ zu Beginn des 21. Jahrhunderts das Gebäude unter Beachtung von Aspekten des Denkmalschutzes von Grund auf sanieren (Denkmalwertbegründung / Eintragungsbescheid in die Denkmalliste vom 23.07.1991). Hierbei wurden auch das Vordach wieder beseitigt und die Fassaden weitgehend an den Ursprungzustand angenähert.

Die Ruhr-Sieg-Strecke selbst war zunächst nur eingleisig ausgebaut worden, wobei man allerdings vorausschauend die Trasse für ein zweites Gleis vorbereitet hatte. Das erzielte Frachtaufkommen entwickelte sich so positiv, dass dieses zweite Gleis bereits 1871gelegt wurde. Die positive Entwicklung hielt auch in der Folgezeit – abgesehen von konjunkturellen Schwankungen - an und hatte zur Folge, dass die Gleis- und Nebenanlagen immer weiter ausgebaut werden mussten. Dazu trugen im Bahnhof Plettenberg auch der Anschluss der Plettenberger Kleinbahn (1896) und der Bau der Nebenbahn nach Herscheid (1915) bei.

Über Jahrzehnte hinweg war der Bahnhof auch Lokeinsatzstelle, bei der für den Rangierbetrieb und die Bedienung der Herscheider Strecke ein bis zwei Dampfloks stationiert waren. Eingesetzt waren Lokomotiven der Reichsbahn-Baureihen 74, 93 und 55. Ein für die Versorgung der Lokomotiven notwendiger Wasserturm befand sich auf der dem Empfangsgebäude gegenüberliegenden Seite in der Nähe des Güterschuppens. Der erforderliche Lokschuppen stand neben dem Empfangsgebäude hinter dem Bahnsteig Richtung Hagen.

Neben diesen Vergrößerungen der Bahnhofs- und Gleisanlagen wurde 1932 ein damals modernes Reiterstellwerk errichtet, das allerdings im Zuge der Modernisierung in den vergangenen Jahren – trotz seiner Denkmalwürdigkeit – Ende 2006 abgebrochen worden ist.

Die rege industrielle Tätigkeit hatte leider auch zur Folge, dass die Bahnanlagen in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges zunehmend das Ziel von Fliegerangriffen wurden, die auch im Umfeld des Bahnhofes zu Bombenschäden mit Toten und Verletzten führten. Der folgenreichste Angriff erfolgte am 25.03.1945, als ein vollbesetzter Personenzug der Deutschen Reichsbahn getroffen wurde. Hierbei kamen 13 Personen ums Leben und 60 weiter wurden z.T. schwer verletzt. Trotz einer Vielzahl von Kriegsschäden konnte der Betrieb schnell wieder aufgenommen werden.

Im Rahmen der Rationalisierung der letzen Zeit hat sich u.a. durch die Stillegung und den Abbau der Herscheider Bahn, die Aufgabe des Stückgut- und Einzelwagenverkehrs auch das Umfeld erheblich verändert. So ist der Güterschuppen, der im Kern noch aus dem Gebäude von 1861 besteht, aufgegeben worden und die entsprechenden Gleisanlagen wurden stillgelegt bzw. zurückgebaut.
Für den Personenverkehr wurden in den Jahren 2009/10 die Bahnsteiganlagen modernisiert (Aktionsprogramm „100 Bahnhöfe in NRW“) und der Fußgängertunnel erneuert, sodass heute ein barrierefreier Zugang zu allen Bahnsteigen besteht. In Rahmen dieser Maßnahme ist auch der Bahnhofsvorplatz neu gestaltet worden. Im Personenverkehr wird der Bahnhof heute in beiden Richtungen im Stundentakt bedient, von der Regionalexpresslinie 16 „Ruhr-Sieg-Express“ und der Regionalbahn 91 „Ruhr-Sieg-Bahn“ auf der Relation Essen – Hagen – Siegen, die beide seit Ende 2007 von der Abellio NRW betrieben werden.
Wolf Dietrich Groote

Bahnhof Plettenberg im Abellio Liniennetz:
www.abellio.de/cms/upload/Rail...

MVG-Linien ab Bahnhof Plettenberg:
www.mvg-online.de/fileadmin/us...



Die Ruhr-Sieg-Strecke
Die 106 km lange Ruhr-Sieg-Strecke Hagen – Siegen wurde am 06. August 1861 – zunächst eingleisig – von der Bergisch Märkischen Eisenbahn eröffnet, nachdem bereits zuvor die Teilstücke Hagen – Letmathe und Letmathe – Altena in Betreib genommen worden waren. Der Eröffnungszug mit den Ehrengästen entgleiste zwar bei Grevenbrück, glücklicherweise gab es dabei keine Personenschäden.

Ein besonderes Charakteristikum dieser Strecke sind die, vor allem im engen Lennetal erforderlichen, 11 Tunnel und 24 größere Brücken. Die Trasse war bereits von Beginn an für einen zweigleisigen Betrieb ausgelegt. Das hohe Verkehrsaufkommen, besonders im Güterverkehr, führte bereits 1871 zur Verlegung dieses zweiten Schienenstranges.

Hauptanlass für den Bau war die Schaffung einer leistungsfähigen Verbindung zwischen den Kohlegruben im Ruhrgebiet und den Erzgruben und Hüttenwerken in Siegerland sowie die Verbesserung der Verkehrsanbindung für die Kleineisenindustrie im Lennetal und seinen Seitentälern.

Für die Versorgung der Dampflokomotiven waren zunächst Wasserstationen an den Bahnhöfen Letmathe, Altena, Plettenberg, Altenhundem, Welschen Ennest, Kreuztal und Siegen errichtet worden. Vor allem die Rampe zwischen Altenhundem und Welschen Ennest, dem Hochpunkt der Strecke, sowie der Umstand, dass 50% der Gleise in Kurven lagen, stellten eine besondere betriebliche Herausforderung dar. Hierfür beschaffte man in den Anfangsjahren eine besonders kurvengängigen Lokkonstruktion der Firma Borsig, die in der Fachwelt als „Ruhr-Sieg-Lok“ bezeichnet wurde. Ab Altenhundem mussten alle schweren Züge bis Welschen Ennest durch eine, manchmal auch zwei Lokomotiven nachgeschoben werden. Hierfür entstand in Altenhundem das größte Betriebswerk an der Strecke, in dem vor allem die schweren Güterzuglokomotiven stationiert waren. Selbst seit der Elektrifizierung im Jahr 1965 ist dieser Schiebebetrieb bei schweren Güterzügen immer noch erforderlich. Mit dieser Umstellung verschwanden so nach und nach alle Einrichtungen zum Betrieb von Dampflokomotiven.

Neben dem Güterverkehr hatte auch der Personenverkehr eine überregionale Bedeutung, die allerdings in den letzten Jahren verloren gegangen ist. Bis zur Einführung des Interregiokonzeptes gab es durch-gehende D-Züge von München/Stuttgart – Frankfurt – Norddeich Mole und seit 1993 nach der Umstellung auf den IR-Verkehr zumindest noch den IR Frankfurt – Münster – (Norddeich Mole). Der gesamte Fernverkehr ist seit der Inbetriebnahme der Neubaustrecke Frankfurt – Köln zum Sommerfahrplan 2001 von der Ruhr-Sieg-Strecke abgezogen worden.
Bedient wird die Strecke heute auf der Relation Essen – Hagen – Siegen von der Regionalexpresslinie RE16 „Ruhr-Sieg-Express“ und der Regionalbahnlinie RB 91 „Ruhr-Sieg-Bahn“ im Stundentakt. Eine durchgehende Verbindung aus dem östlichen Ruhrgebiet (Dortmund /Hagen) nach Frankfurt am Main gibt es leider nicht mehr, obwohl sie wesentlich kürzer wäre als die Verbindung über Wuppertal – Köln.

Der Betrieb dieser beiden Regionallinien wird seit Dezember des Jahres 2007 von der Abellio Rail NRW durchgeführt, die die Ausschreibung des Verkehrs gewonnen hatte. Die sogenannte Infrastruktur, d.h. die Anlagen selbst gehören nach wie vor zum Geschäftsbereich der Deutschen Bahn AG.
Wolf Dietrich Groote

In und um Plettenberg gibt es für den Eisenbahnliebhaber einige interessante und fotogene Bauwerke zu betrachten:
Plettenberg / Am Wall: Haltepunkt 1 Bahnhof
Plettenberg-Oberstadt / Herscheider Str. 69: Bahnhof Oberstadt
Plettenberg-Posensche Str. 11: ehem. Lockschuppen der PKB
Plettenberg-Herscheider Straße / „Schwarze Brücke“ - ehemal. DB Eisenbahnbrücke, jetzt nur noch ein Erinnerungsstück auf dem Kreisverkehr
Plettenberg- Böddinghaus / Im Böddinghauser Feld: Fischbauch-Eisenbahnbrücke
Plettenberg-Siesel, B 236: Bahnbrücke über die Lenne

Die Nebenstrecke Richtung Herscheid wird bei der Märkischen Museumseisenbahn am Bahnhof Herscheid-Hüinghausen wieder lebendig:
www.sauerlaender-kleinbahn.de
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