kulturregion südwestfalen

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Haus Bettendorf

Brauchtum / Heimatkultur

Kölner Straße 12
57258 Freudenberg (Westf.)

E-Mail: tourist@freudenberg-stadt.de
URL: www.freudenberg-stadt.de

Der Kulturatlas des Landes Nordrhein-Westfalen bezeichnet den „Alten Flecken“ Freudenberg als Baudenkmal „von internationaler Bedeutung“. Er ist einer der wenigen, in originaler Bausubstanz erhaltenen und einheitlich in Fachwerk errichteten Städte des 17. Jahrhunderts.

Das „Haus Bettendorf“ nimmt im Ortsbild eine besondere städtebauliche Rolle ein, denn der nach Süden ausgerichtete Blick in die Marktstraße ist im Siegerland einmalig. Als einziges Gebäude im mittelalterlichen Kern der Altstadt verfügt es, aufgrund des Neubaus von 1937, über im original erhaltene große Fensterflächen und Raumhöhen.

Bei dem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus der Firma Bettendorf (Bekleidung). Das Objekt besteht aus drei Gebäudeteilen. Der 1937 errichtete Hauptbaukörper ersetzt den bis dahin ältesten Teil von 1667, der laut noch vorhandenen Bauantragsunterlagen wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste.

Westlich angeschlossen ist ein zweigeschossiger Baukörper, der 1871 errichtet wurde. Aus dem Jahr 1926 stammt der östliche Anbau, der sich bis in die Nordstraße erstreckt.
Dieser steht durch die Hanglage auf einem, das Gefälle ausgleichenden, hohen Sockelgeschoss. Das Vollwalmdach dieses Anbaus wird auf der Straßenecke Kölner Straße / Nordstraße, von einem aufgesetzten Geschoss mit flachen Pyramiddach durchbrochen.

Durch das hohe Sockelgeschoss erhöht sich die Ansicht zur Kölner Straße, so dass der Eindruck einer Viergeschossigkeit entsteht, während die Fassade mit den drei Fensterachsen zur Nordstraße hin zweigeschossig wirkt. An die Rückseite dieser Baugruppe sind zu späteren Zeitpunkten eingeschossige Erweiterungstrakte angefügt worden.

Die im Erdgeschoss durchgehende Schaufensterzone entlang der Kölner Straße, aus dem Jahr 1965 wurde zwischenzeitlich, im Rahmen der Umbaumaßnahmen, zurückgebaut.

Die Obergeschosse sind durchgehend verschiefert. Die Geschosse sind durch Simse gegliedert. Sockel und Sockelgeschoss sind mit Sandstein im Natursteinverbund gemauert. Der Trakt an der Nordstraße ist entsprechend gestaltet, weist aber im Erdgeschoss große, quergelagerte, unterteilte Fenster ohne Schlagläden auf. Die Giebelrückseite des westlichen Hauptbaus von 1937 ist in Fachwerk mit Kehlbalken und Füllungshölzern aufwendig ausgeführt worden. Das Erdgeschoss ist verschiefert.

Das ehemalige „Modehaus“ war bedeutend für Freudenberg und die hier lebenden Menschen. Es bezeugt die Geschichte der erfolgreichen Kaufmannsfamilie Bettendorf. Der Name „Haus Bettendorf“ lebt nun auch als Projektname für den Umbau in eine Eigentumswohnanlage mit 11 Wohneinheiten weiter.

2007 schloss das Geschäft, das 1891 als Gemischtwarenhandlung gegründet worden war und in den 1950er Jahren ganz auf Textilien umgestellt hatte. Über zwei Etagen erstreckte sich das Modehaus Bettendorf noch nach einer großen Modernisierung in den 1970er Jahren. Die Herrenabteilung und die Abteilung für Heimtextilien und Betten wurden 1997, zugunsten von Herren- und Damenmoden auf einer 300 m² großen Fläche im Erdgeschoss, aufgegeben.

Das Modehaus Bettendorf war in seiner Blütezeit im weiten Umland eine erste Adresse. Bis zu 20 Mitarbeiter beschäftigte das stets von Familienmitgliedern geführte Unternehmen. Es konnte immer auf zahlreiche eingeschworene Stammkunden bauen. In der Westfälischen Rundschau, Ausgabe Kreuztal am 6.7.2007 heißt es: „Eigene Vertreter schwärmten aus ins Bergische Land, wo sie Stoffe anpriesen und für das Geschäft in Freudenberg warben, wo manche Braut ihre Aussteuer fand“.

Das Gebäude ist einer steten Bautätigkeit unterworfen gewesen, so dass sich die Geschichte im Wesentlichen im Äußeren der Bauabschnitte des Hauses sowie am statischen Traggerüst ablesen lässt. Der 1937 errichtete Hauptbaukörper wurde in Stahlholzbauweise als Skelettbau errichtet, so dass die geschaffenen Wohnungen sehr individuell geplant werden konnten. In den Jahren 2011 und 2012 wurde eine aufwendige Sanierungs- und Umbaumaßnahme durchgeführt.

Stilelemente der 30er Jahre, wie die Innentüren und das herrschaftliche Treppenhaus, wurden restauriert. Die alten Fenster wurden weitestgehend restauriert und mit wärmegedämmten Fenstern auf der Innenseite ergänzt. Auf der Innenseite wurde zusätzlich eine Klimaschale mittels Calzium-Silikatplatten erstellt. Das sogenannte diffusionsoffene Dämmsystem ist eine speziell für die Sanierung von historischen Fachwerkhäusern geeignete Methode, da es die Entstehung von Feuchteschäden verhindert. Weitere Anforderungen wurden in der Anlagentechnik für Heizung, Warm
wasser und Kühlung des Gebäudes berücksichtigt. Damit kann der Energie-, Heizungs- und Warmwasserbedarf um zirka 30 Prozent gesenkt werden.

Mit einer gekonnten Komplettsanierung schafft der Bauherr, die Stadttor Siegen Immobilien Unternehmergesellschaft, den Spagat zwischen Denkmalschutz und moderner Lebensqualität. Nach Abschluss der Umbauarbeiten erfüllt das historische Gebäude, ohne Einschränkungen moderner Nutzungsanforderungen, die Anforderungen der neuesten Energieeinsparverordnung (EnEV, September 2010) für Neubauten. Mit dem charakteristischen straßenseitigen Giebel in der Sichtachse der Marktstraße und mit seinem nicht weniger bedeutenden rückwärtigen Giebel für die Sicht aus Norden auf den „Alten Flecken“, sowie als Randbebauung des „Alten Fleckens“ im Straßenbild, hat das Gebäude auch heute noch eine wichtige städtebauliche Bedeutung. Mit der nun durchgeführten grundlegenden Sanierung wird das eindrucksvolle Gebäude, auch noch in der Zukunft den „Alten Flecken“ prägen.

Das Besondere: alle Wohnungen (ca. 70 m2 bis 130 m2 ) sind über einen im Innenhof der Wohnanlage neu erbauten Aufzug barrierefrei begehbar und bieten eine moderne Ausstattung, die den heutigen Anforderungen gerecht wird, ohne das Flair der alten Immobilie außer Acht zu lassen. Eine Geschichte lebt weiter. Das ehemalige Geschäftshaus „Haus Bettendorf“ bezeugt auch zukünftig ein Stück Wirtschaftsgeschichte des „Alten Fleckens“.

Quelle: Haus Bettendorf war "Denkmal des Monat Juli 2013" des Arbeitskreises Historische Stadt- und Ortskerne NRW"

Quellenangabe:
Herbert Kienzler „Der Alte Flecken Freudenberg“
Stadt Freudenberg
Stadtsparkasse Freudenberg
Stadttor Siegen Immobilien UG
NV Wohnungsbau GmbH, Siegen

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