kulturregion südwestfalen

Gruppen/ Institutionen

Kettenschmiede Teves (Oestrich)

Brauchtum / Heimatkultur

Berliner Allee 112
58642 Iserlohn


Die Kettenschmiede Teves wurde das erste Mal 1815 im 'Nachlaßinventarium' des Drahtfabrikanten Caspar Diederich Theile erwähnt, dessen Familie drei Generationen lang im Besitz von Haus und Schmiedekotten war. Durch Heirat mit einer Tochter Heinrich Diederich Theiles wurde Wilhelm Teves 1884 neuer Eigentümer der Schmiede. Als Geschirrschmied fertigte er nicht nur Ketten, sondern auch Zug- und Fahrgeschirre für Kühe und Pferde an. Sein Sohn Friedrich war als Kettenschmied noch bis in die 1950er Jahre hinein tätig. Bei der Schmiede handelt es sich um ein 3,87 x 4,85 m großes, einräumiges Fachwerkgebäude mit einem kleinen Dachboden, der als Lager diente und von außen über eine Leiter betreten werden kann. [)er Schmiede vorgelagert ist ein Dörrofen, der um 1910 angebaut wurde und in dem Obst getrocknet wurde. Der Boden des Innenraumes ist betoniert, bestand ursprünglich aber aus Stampflehm. An der rechten Längsseite befinden sich drei aus Ziegelstein gemauerte Feuerstellen (die sog. 'Essen“). Bevor zu späterer Zeit ein elektrisches Gebläse eingebaut wurde, versorgte ein großer Blasebalg die Essen mit Luft, die durch Rohrleitungen in den Ofenraum gelangte. Angetrieben wurde der Blasebalg dabei durch ein Hundelaufrad. Der Schmiedevorgang gestaltete sich folgendermaßen: Von der Drahtrolle wurden zunächst einzelne Kettenstücke („Pinne') abgeschnitten, diese in das sog. 'Biegehörnchen' eingeführt und U-förmig gebogen. Anschließend wurden die Pinne auf einen Eisenstab über das Feuer gehängt, um vorgewärmt zu werden. Auf dem Amboß wurden dann die beiden Enden des Pinnes zunächst abgeflacht, der U-förmige Pinn in das zuletzt geschmiedete Glied der Kette gesteckt und die beiden Enden übereinander geschlagen. Das äußerlich schon fertige neue Glied wurde dann noch einmal im Feuer erhitzt und mit einigen Hammerschlägen auf die Nahtstelle, an der die beiden Enden aufeinander lagen, zusammengeschweißt. Hergestellt wurden auf diese Weise sog. 'Handelsketten', d.h. Ketten, die 2-13 mm Durchmesser aufwiesen. Bei Teves waren es vor allem Viehketten von 5-6 mm und Halfterketten von 4 1/2 mm Stärke, daneben wurden Wirbel, Knebel und Federhaken produziert und an die Firma Heinrich Wilke in der Grüne geliefert. Im 19. Jahrhundert existierten im Raum Iserlohn mehr als 500 solcher Kettenschmieden. Sie hatten meist den Charakter von landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieben, nur in den wenigsten waren Schmiede hauptberuflich tätig. Sie arbeiteten nicht auf eigene Rechnung, sondern waren für ein halbes Dutzend größerer Firmen der Kettenindustrie tätig, die das Ausgangsmaterial Draht und zumeist auch Kohle oder Koks bereitstellten. Beides wurde nur in Ausnahmefällen von der Firma angeliefert, meist hatte der Schmied die Abhol- und Lieferpflicht und mußte Heizmaterial, Draht und Ketten mit dem Leiterwagen oder der Schubkarre transportieren. Die durchschnittliche Arbeitszeit betrug ca. 10 Stunden pro Tag, sofern der Schmied nicht in der Landwirtschaft beschäftigt war. In dieser Zeit konnte in der Regel eine Kette von ca. 30 m Länge hergestellt werden. Die Mechanisierung des Schweißens und andere technische Verbesserungen nahmen den Schmieden jedoch zunehmend die Existenzgrundlage. Ge- schmiedet wurde jetzt mehr und mehr in den Fabriken selbst. Die Schmiede, in der seit 1963 nicht mehr gearbeitet worden war, wurde 1981 mit Hilfe des Märkisches Kreises und des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege restauriert und 1983 unter Denkmalschutz gestellt. Innenbesichtigung und Vorführungen nach Anmeldung Baujahr 1750-99 Ansprechpartner: Frau Redegeld, Ehepaar Teves
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