kulturregion südwestfalen

Gruppen/ Institutionen

Kettenschmiede Treude/Römer (Oestrich)

Brauchtum / Heimatkultur

Beilstraße 12
58642 Iserlohn


Die Kettenschmiede Treude / Römer wurde zusammen mit dem Wohnhaus vor 1850, möglicherweise sogar schon im 18.Jahrhundert errichtet. Der erste namentlich bekannte Eigentümer war Heinrich Theile. Sein Nachfolger Wilhelm Rüther verkaufte das ganze Anwesen 1907 an Julius Treude sen., dessen Familie Haus und Schmiede noch heute besitzt. Julius Treude war der letzte Schmied, der hauptberuflich im Kotten arbeitete. Sein gleichnamiger Sohn schmiedete in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch aus Gefälligkeit oder zu Demonstrationszwecken. Beim Kotten handelt es sich um ein ca. 4,30 x 4,50 großes einräumiges Fachwerkgebäude, in dem sich zu ebener Erde die Schmiede befindet. Der darüber liegende Dachboden, in dem früher u.a. die Drahtrollen gelagert wurden, ist von innen über eine Leiter erreichbar. Der Boden der Schmiede besteht aus Ziegelsteinen. An der linken Längsseite befinden sich drei ebenfalls aus Ziegelstein gemauerte Feuerstellen (die sog. 'Essen'), von denen zwei verschlossen sind. Früher versorgte ein großer, durch eine Pedale angetriebener Blasebalg die Essen mit Luft, die durch Rohrleitungen in den Ofenraum gelangte. 1993 ist ein elektrisches Gebläse eingebaut worden. Der Schmiedevorgang gestaltete sich folgendermaßen: Von der Drahtrolle wurden zunächst einzelne Kettenstücke ('Pinne') abgeschnitten, diese in das sog. 'Biegehörnchen' eingeführt und U-förmig gebogen. Anschließend wurden die Pinne auf einen Eisenstab über das Feuer gehängt, um sie vorzuwärmen. Auf dem Amboß wurden dann die beiden Enden des Pinnes zunächst abgeflacht, der U-förmige Pinn in das zuletzt geschmiedete Glied der Kette gesteckt und die beiden Enden übereinander geschlagen. Das äußerlich schon fertige neue Glied wurde dann noch einmal im Feuer erhitzt und mit einigen Hammerschlägen auf die Nahtstelle, an der die beiden Enden aufeinanderlegen, zusammengeschweißt, Hergestellt wurden auf diese Weise sog. 'Handelsketten', d.h. Ketten, die 2-13 mm Durchmesser aufwiesen. Im 19.Jahrhundert existierten im Raum Iserlohn mehr als 500 solcher Kettenschmieden. Sie hatten meist den Charakter von Nebenerwerbsbetrieben, nur in den wenigsten waren Schmiede wie Julius Treude hauptberuflich tätig. Sie alle arbeiteten nicht auf eigene Rechnung, sondern waren für ein halbes Dutzend größerer Firmen der Kettenindustrie tätig, die das Ausgangsmaterial Draht und zumeist auch Kohle oder Koks bereitstellten. Beides wurde nur in Ausnahmefällen von der Firma angeliefert, meist hatte der Schmied die Abhol- und Lieferpflicht und mußte Heizmaterial, Draht und Ketten mit dem Leiterwagen oder der Schubkarre transportieren. Julius Treude und seine Vorgänger hatten ihre fertigen Ketten fast immer an die Firma August Röttgers in der Grüne zu liefern, zuletzt wurde für die Firma Heinrich Görke in Letmathe gearbeitet. Die durchschnittliche Arbeitszeit betrug ca. 10 Stunden pro Tag, sofern der Schmied nicht in der Landwirtschaft beschäftigt war. In dieser Zeit konnte in der Regel eine Kette von ca. 30m Länge hergestellt werden. Die Mechanisierung des Schweißens und andere technische Verbesserungen nahmen den Schmieden jedoch zunehmend die Existenzgrundlage. Geschmiedet wurde jetzt mehr und mehr in den Fabriken selbst. Die Schmiede von Julius Treude wurde 1970 zu einer Werkstatt umfunktioniert. Sie steht seit 1983 unter Denkmalschutz. Innenbesichtigung nach Anmeldung Baujahr 1850 Ansprechpartner: Frau Redegeld, Ehepaar Römer
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