kulturregion südwestfalen

Gruppen/ Institutionen

Röstofenanlage ehemalige Spateisengrube Storch und Schöneberg

Brauchtum / Heimatkultur

Gosenbacher Hütte
57080 Siegen


URL: www.lwl.org/LWL/Kultur/WAfD/De...

Röstofenanlage in Gosenbach - ein seltenes Dokument der Technikgeschichte

Im Ortsteil Gosenbach stößt man an der Gabelung der Straßen Gosenbacher Hütte/Am Honigsmund auf eine alte Bruchsteinwand, die auf den ersten Blick wie eine einfache Stützmauer aussieht. Tatsächlich handelt es sich aber um eine in den Hang gebaute ehemalige Röstofenanlage der Spateisensteingrube Storch & Schöneberg, die zur Aufbereitung von Roherzen diente. Einst bestand sie aus vierzehn nebeneinander aufgereihten Öfen, die in der Zeit von 1862 bis 1895 unterhalb der Grubenanlage Storch & Schöneberg gebaut worden sind.

Sichtbar erhalten geblieben ist hiervon ein Teilstück mit vier Öfen. In der Außenwand fallen besonders die niedrigen, mit einem Flachbogen geschlossenen Öffnungen auf. Aus ihnen wurde das Röstgut entnommen. Heute sind sie vermauert und der rechte Teil der Ofenwand wird aus statischen Gründen durch Betonpfeiler gestützt. Hinter der Bruchsteinwand befinden sich die aus Schamottesteinen kreisrund gemauerten, verfüllten Ofenschächte. Die Öfen wurden von oben beschickt. Auf dieser Ebene standen die Betriebsgebäude und Fördergerüste des Alten und Neuen Schachtes, so dass sich kurze Wege von den Schächten zu den Öfen ergaben. Das Rösten von Eisenstein ist ein Teil der Aufbereitung für die Verhüttung im Hochofen. Hierbei wird u. a. der Anteil an Kohlenstoff, der die Zähigkeit der Eisenschmelze in hohem Maße beeinträchtigt, ausgetrieben, das Erz von Schwefel gereinigt und mit Sauerstoff angereichert. Geröstetes Erz ist etwa 30% leichter als frisch abgebautes - ein wichtiger Aspekt in Hinblick auf den Transport und die Transportkosten.

Mit den steigenden Erzausfuhren u. a. ins Rheinisch-Westfälische Industriegebiet nach Inbetriebnahme der Ruhr-Sieg-Strecke,1861, und den damit verbundenen Entfernungen gewann das Rösten in Hinblick auf die Gewichtsreduzierung besondere Bedeutung. Die steigende Nachfrage nach Spateisenstein führte dazu, dass auf allen bergwirtschaftlich bedeutenden Gruben des Siegerlandes Röstofenanlagen entstanden. Die Ofenhöhe betrug zunächst 4 bis 5 Meter, der Röstbetrieb erfolgte noch mit natürlichem Luftzug. Die dadurch relativ niedrige Durchsatzleistung erforderte entsprechend viele Röstöfen. Handelte es sich zunächst um aus Bruchstein oder Ziegelsteinen gemauerte, rechteckige und mit feuerfestem Material ausgekleidete Öfen, wurden sie ab 1898 allmählich durch hohe, runde und mit Eisenblech umkleidete abgelöst.

Die Grube Storch & Schöneberg besaß um 1900 etwa 50 Öfen, die sich überwiegend in der Nähe ihrer Förderschächte beidseitig der Straße von Niederschelden nach Gosenbach befanden. 1911 entstand mit dem Ausbau der Grube am Rothenberg eine mechanische Aufbereitung und eine neue Röstanlage mit 26 Öfen. Längst sind die Röstöfen dieser wie auch anderer Gruben im Siegerland verschwunden - bis auf das lange Zeit unbeachtete Teilstück der alten Ofenbatterie Am Honigsmund, das für Westfalen nach unserer Kenntnis einzigartig ist.

Seit letztem Jahr sind die Öfen in die Denkmalliste der Stadt Siegen eingetragen. Der beginnende Verfall schreitet jedoch unweigerlich fort. Erste Bemühungen zur Rettung der Ofenanlage gibt es bereits seit mehreren Jahren. Da sich die herausragende Bedeutung des Objektes nicht unmittelbar erschließt, scheint das Denkmal im Bewusstsein der Öffentlichkeit jedoch noch nicht allgemein verankert zu sein. Das Bild zeigt den linken Teil der Röstofenanlage 2007 (Foto: Gerhard Langfeld).
Imme Wittkamp

Die Röstofenanlage ist LWL-Denkmal des Monats Feburar 2009.

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LWL-Pressestelle
Markus Fischer
Tel. 0251 591-235
E-Mail: presse@lwl.org

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